Intro |
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Editorial |
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Liebe Freunde, |
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Schon komisch, wie manchmal der Zufall einem die Themen förmlich in die HĂ€nde spielt oder in die Keyboards-Tasten. Heute ist es beispielsweise die Schlagzeile von den gefundenen und wieder hergestellten Original-Tonaufnahmen vom einstigen Reichskanzler Bismarck, durchaus eine Sensation von mĂ€chtigem historischen Wert. Die erinnert mich daran, wie vor vielen Jahrzehnten anlĂ€sslich der Eröffnung des Hamburger Congress Centrums der wunderbare Peter Ustinov in seiner Festrede mit dem Gedanken gespielt hat, wie er getan hĂ€tte, wenn man schon Jahrhunderte frĂŒher die Möglichkeit der Tonaufzeichnung gehabt hĂ€tte. Er hĂ€tte, meinte er, den Hl. Thomas von Aquin aufgenommen, wie der mit den Vögeln sprach. Wie anders die Welt geworden ist, in der das einzelne Tondokument kaum noch echten Wert besitzt, weil es viel zu viele davon gibt, wird an zwei Aspekten deutlich, die mir nicht der Zufall, sondern die Leidenschaft fĂŒr die Jazzgitarre in die Keyboard-Tasten spielte. Wie verrĂŒckt manche Volten sind, die die singende, klingende Ăberfluss- und Konsumgesellschaft schlĂ€gt, in der alles nur noch "Produkt" und nicht mehr TrĂ€ger echter Inhalte ist, zeigt zum Einen das Beispiel des tschechischen Jazzgitarristen Libor Smoldas. Libor, einst Studiosus u. a. bei Paul Bollenback, Lage Lund, Peter Bernstein und Ben Monder, ist nicht irgendwer, sondern mit seinen knapp 30 Lenzen eine Prager Institution, ein respektierter Konservatoriums-Prof und eine VIP der tschechischen Jazzgitarre-Szene. Und was tut der? Er stellt sein neuestes Album "Libor Smoldas Quartet - Live at Jazz Dock (1/3" einfach ins Netz zum kostenlosen Herunterladen, und zwar hier. Zum Anderen ist da Russ Spiegel, agas-Lesern vielleicht noch durch sein 2007er Album "Chimera" und die 2009er "Transplants" und in Deutschland sowieso in Jazzkreisen bekannt, weil er lange hier gelebt hat. Und was macht Russ? Er verschickt an alle, die irgendwie als Adressaten dafĂŒr in Frage kommen, eine eMail mit der Bitte um UnterstĂŒtzung fĂŒr die Realisierung seines neuesten Platten-Projekts - s. hier. In einer weiteren Mail erklĂ€rt er mir dann, worum es eigentlich geht. Heutzutage eine CD zu finanzieren, sei enorm schwierig, schreibt er, und sei ohne Hilfe "von auĂen" kaum noch zu wuppen. Ein Portal namens Kickstarter habe das erkannt. Man kann seine noch nicht als solche existierenden Platten dort hinaufladen und dann das tun, was auch Russ tut: hoffen, dass Sponsoren und Ă€hnlich nette Menschen Moneten hinschicken, damit aus der virtuellen eine richtige Platte wird. So sieht das heute aus, 122 Jahre nach dem Telefonat, das der groĂe Otto von Bismarck in Friedrichsruh neben einem Edison-Phonographen gefĂŒhrt hat. Von der gefeierten RaritĂ€t zum Up- und Download. Und, bitte, was sind 122 Jahre im Auge der Geschichte? |
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Herzlichst |
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Alex Schmitz |
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