Kreatives Bäumchen-Wechsel-Dich: Das Asaf Sirkis Trio mit Tassos Spiliotopulos

 

Feuer und Eis

Erst im Juni hat agas Tassos Spiliotopoulos’ zweite CD “Archipelago” enthusiastisch vorgestellt, da gibt es schon wieder Neuigkeiten vom selben Trio, nur mit dem kleinen, feinen Unterschied, dass nun Yaron Stavi nicht den Kontrabass, sondern einen E-Bass zupft und der Schlagzeuger Asaf Sirkis als Kopf des Triumvirats firmiert.  Bassist Stavi, vor allem in klassischen Ensembles tätig, aber mit dem gleichen Elan unter anderem in der Jazzgruppe des Geigers Nigel Kennedy, bei Phil Manzanera oder auch bei David Gilmour am guten Werk, war 2002 aus Israel via Berlin nach London gekommen; Asaf Sirkis war bereits 1998 von dort an die Themse umgesiedelt. 1996 hatte der Schlagzeuger noch daheim in Israel und inspiriert von  Orgelwerken Olivier Messiaens und Cesar Francks die Gruppe "The Inner Noise“ gegründet, mit Kirchenorgel, Gitarre und ihm selbst an den Trommeln. Seit 2006 spielt er unter anderem bei dem Sax-Alumnus Tim Garland, und zwischen diesen Polen lässt sich denn auch finden, was das Tassos-Trio spielt, wenn es zum Asaf Sirkis Trio wird, das auf "Letting Go" [Stonebird Productions SBPT002] in zweien der sieben Stücke zum Quartett wird, wenn an der Mundharmonika Patrick Bettison dazukommt und Tassos‘ Rolle übernimmt, und zwar vom gleichen Top-Niveau wie seine drei Mitstreiter.

Was hier gespielt wird, ist äußerst gediegener moderner Jazz mit fast spartanisch sparsamen und jeden einzelnen Ton deutlich aufwertenden Themen und einem Tassos Spiliotopoulos, dessen Spiel hier alles „Archipelago“-Typische [s. hier] noch  intensiviert, aber interessanterweise hier mehr nach innen gewendet erscheint,  in eleganter, ein wenig halliger Kühle, mit schwebenden Klängen, immer äußerst präzise und ökonomisch, aber bei Bedarf auch mit blitzschnellen Fingern, gewissermaßen Feuer und Eis und harmonisch von immer wieder ganz eigenartiger, schwer zu beschreibender Faszination.

Yaron Stavi am E-Bass erweist sich  in klugem Kontrast dazu eher als ein Geschichtenerzähler, als bemerkenswerter Melodiker, den man in den hohen Lagen schon mal leicht für einen Gitarristen halten kann. Asaf ist ein Genius des sprechenden, des singenden Spiels, ein Max Roach, ein Shelly Manne des neuen Jahrhunderts, nur noch ein Stück sensibler und dezenter in seiner unaufhörlich gestalterischen Arbeit – kurzum: ein wirklich bewundernswerter Schlagzeuger,  Beide, Yaron und Asaf, sind die Könige des letzten Stücks, „Waltz for Rehovot“, einem nahezu minimalistischen Abschluss und idealen Einstieg in diese oft betören schöne, wunderbar sensible, hochintelligente, hochkreative Musik.

 

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