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Ein eMail-Interview mit Uwe Kropinski - Teil
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"Musik
muss bewegen" |
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Irgendwann
schon im Sommer oder im Spätsommer hatte ich ihm die Fragen geschickt. Es
wurden schließlich 40, sehr viel für ein Interview, fand ich, und das fand
auch Uwe Kropinski. Der war schon lange einer meiner
bevorzugtesten Wunsch- Gesprächspartner gewesen. Dass er es dann vorzog,
meine Fragen schriftlich zu beantworten, statt mit mir ein Telefon- Interview
zu führen (wie es verständlicherweise meist bevorzugt wird, weil es dem/r
Interviewten Arbeit erspart), bedeutete nicht nur weniger Arbeit für mich;
es bedeutete auch, ein rares Interview wirklich schwarz auf weiß zu
haben. Uwe, den angesichts der Menge der Fragen erst mal der Mut
verlassen hatte, reiste erst mal wieder in die USA. Dann hatte er
Aufnahmen usw., usf. - kurzum und nach dem Motto, dass endlich gut wird, was
lange währt: Irgendwann mailte er, er wolle die Fragen bis Anfang Dezember
allesamt beantwortet haben. So kam es auch. Er dürfte froh sein, die Arbeit
hinter sich zu haben. Und ich bin froh, das Gespräch präsentieren zu dürfen –
nun den zweiten und letzten Teil |
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agas:
Wie ging das nach 1990 weiter für dich als Musiker. Mit wem hattest du schon
gespielt, mit wem wolltest du gern spielen, mit wem hattest du gespielt.
David Friesen fällt mir natürlich ein. U.K.: Es gibt einige langjährige
Duopartner mit denen ich bis heute spiele. David Friesen (b) seit 1988,
Dieter Köhnlein (p) seit 1989, Michael Heupel (fl) seit 1990, Volker Schlott (sax) seit 1993
(wieder). Dann gab es gelegentliche Duopartner. Simon Nabatov
(p), Jamaaladeen Tacuma (b), John Stowell
(g) “Doppelmoppel” die Gruppe mit zwei Gitarren (Joe Sachse
und ich) und zwei Posaunen (Konrad und Johannes Bauer) gibt es seit 25
Jahren. Mit Rolf (cl) und Joachim Kühn spielte ich und auch mit Ali Haurands “European Jazz Ensemble” Kurzzeitig (1987) gab
es ein Trio mit Adelhard Roidinger
(b) und Peter Gröning zu dem Albert Mangelsdorff (tb) auf einem Festival dazukam. Neu (2005) ist ein Trio
mit Michael Heupel (fl)
und Wolfgang “Zicke”Schneider (dr). agas:
Vielleicht jeweils ein, zwei Sätze zu deinen Platten-Veröffentlichungen -
oder zu denen, von denen du selbst sagen würdest, dass sie sozusagen "landmarks" in deiner künstlerischen Bio sind. U.K.: Die erste LP auf Amiga
in der DDR “Kropinski-Solo”1985 ist natürlich etwas Besonderes, die berühmten
ersten Male! “So oder So” konzeptionell ähnlich,
war die erste im Westen. Es gibt bisher nur eine Solo Live
CD “Berlin Concert”. “Made in Berlin” von 1999 [s. agas-Seite August
06 hier]
ist mein Favorit der Aufnahmen mit David Friesen. Ich freue mich, dass ich
auch meine fotografischen Aktivitäten (die Kamera ist immer dabei) immer mehr
für die Gestaltung der CDs verwenden kann, “Sentimental moods”
mit Michael Heupel 2005 ist ein Beispiel [s. agas-Seite
Oktober 05 hier]. Eine neue CD “Made with friends" (Friesen und ich und als friends
Conny Bauer (tb) und John Gross (ts) ) ist gerade erschienen 2006 [s. agas-Seite
Dezember 06 hier]. Aber eigentlich kann ich gar keine CD
besonders hervorheben. Jede ist so anders, ich denke bei CD Aufnahmen ist es
wichtig, jeder CD so ein gewisses Etwas zu geben, was sie von der vorherigen
unterscheidet. agas:
Gibt es so etwas wie eine Poetik, mit der du deine Spielweise und all das,
was sie von anderen unterscheidet, umreißen kannst? Ich meine das, was man
früher so gern so problematisch die künstlerische "Message" zu
nennen pflegte? U.K.: Es wird immer viel
von meiner besonderen Spielweise berichtet, was sicherlich stimmt, nur sollte
man wissen, dass diese nicht dem Gedanken entspringt, etwas einfach anders
machen zu wollen, sondern musikalische Gründe hat. Ich spiele zwar Gitarre,
bin aber in erster Linie Musiker, also jemand, dem es beim Musikmachen um das
Hörerlebnis geht. Wenn ich also musikalische Ideen habe, muss ich die
Spielweise der Gitarre denen anzupassen versuchen. Die Gitarre ist ein sehr
wandlungsfähiges Instrument, mit dem man verschiedene musikalische Funktionen
übernehmen kann, die dann entscheiden, welche Spieltechnik man verwendet.
Melodien, Akkorde, Begleitung, Perkussion - alles kann man auf der Gitarre
machen, nur das es dabei weniger um die Gitarre geht als um die musikalische
Funktion. Wenn ich meine musikalische Botschaft beschreiben sollte, würde ich
sagen: Ich versuche Musik erklingen zu lassen, die bewegt, andere und mich
selbst, und dafür ist mir jedes Mittel recht! agas:
Wo veröffentlichst du warum deine Platten? Dein Verhältnis zum
Platten-Business. Auch, bitte gern, Dinge, die dir an der Musikbranche
missfallen oder dich gar aufregen. U.K.: Die meisten meiner CDs
sind auf ITM erschienen. Ulli Blobel betreibt
dieses Label seit etwa 25 Jahren. Er stammt auch aus der DDR und hat dort die
bekannten Konzerte in Peitz organisiert, bevor er 1982 in den Westen kam. Mit
ihm verbindet mich eine langjährige Freundschaft. 2006 hat er eine neue
Konzertreihe in Berlin im Kammermusiksaal der Philharmonie eröffnet, das
zweite dieser Konzerte habe ich mit David Friesen, Conny Bauer und Dave Liebman am Sopransaxofon gespielt - für mich ein
musikalisches Erlebnis! Leider werden heute zu viele CDs aufgenommen. Jeder
der nichts zu sagen hat, tut es. Es wird ein musikalischer Müllhaufen
produziert, in dem man die Übersicht verliert und viele der lohnenden
Aufnahmen versickern. Überhaupt befinden sich zu viele der so genannten
Medien in Händen von Leuten, die damit schlecht umgehen können und damit
schlechten Einfluss auf andere Menschen ausüben. agas:
Thema USA: Wann warst du erstmals dort, warum, wodurch und wo und mit wem?
Wie war das? Was zog dich dorthin? War das "nur" die Zielsetzung,
in den USA ein Publikum zu finden, oder war das für dich ganz persönlich doch
auch mehr. U.K.: Ich bin in die USA
gefahren, weil ich David Friesen kennen lernte und er mich einlud, mit ihm zu
spielen, zum ersten Mal 1988. Ich bin nicht der Session Musiker, der mit sehr
vielen Leuten gespielt hat. Ich bin eher auf der Suche nach Leuten, mit denen
ich mehr teilen kann als Chords und Changes. David Friesen und ich trafen uns 1988 in der
Münchner “Unterfahrt”.. Jeder von uns hat am selben
Abend solo gespielt. Wir hörten einander zu und waren beide der Meinung: Eine
musikalische Zusammenarbeit könnte spannend für uns werden. Und sie ist es
immer noch. agas:
Die Solo-CD vom Jahresanfang. Ein bisschen was dazu. U.K.: Auf der CD “Universal
Language” habe ich zum ersten Mal - abgesehen von meinen Anfängen, als ich
viel gesungen habe - Gitarre und Stimme kombiniert. Der Zusammenklang von
Stimme Gitarre fasziniert mich, und ich übe an dieser Verbindung jetzt
täglich. Es ist eine neue Dimension, mit der ich mich die nächste Zeit
beschäftigen werde. Die Stimme ist so etwas wie eine siebente Saite, und
besonders gut klingt es wirklich, wenn man einen Ton singt, den man auf der
Gitarre gerade nicht spielt. agas:
Die neueste CD: Bitte was dazu. Wie viele Platten hast du mit David Friesen
gemacht inzwischen? U.K.: Mit David gibt es sechs
CDs, wenn man die unter seinem Namen erschienenen in den USA mitrechnet. Für
die neue CD “Made with friends” empfehle ich auf
meiner Homepage www.kropinski.com
meinen Text zu lesen. agas:
Wenn du deine Platten-Veröffentlichungen Revue passiere lässt: Gibt es in
Ihnen eine deutliche- also: auch dem gitarristischen Laien erkennbare -
Entwicklung? Gibt es STILISTISCHE Brüche, Perioden, Evolution? U.K.: Sicher gibt es dort
eine hörbare Entwicklung - für wen hörbar, kann ich natürlich nicht sagen.
“In der Musik gibt es keine großen und kleinen Unterschiede - nur hörbare.”
Wenn man jünger ist, spielt man mit unbändiger Energie, es darf auch schon
mal ein Ton zu viel sein! Später fängt man an, mehr zuzuhören, sich mehr Zeit
zu lassen und mehr auf die Mitspieler einzugehen. Das ist ein
Entwicklungsprozess, den wohl fast jeder durchmacht und der sich natürlich in
der Musik widerspiegelt. agas:
Spielst du oft und gern mit anderen Gitarristen zusammen? Ist das nicht
problematisch für jemanden, der so spielt wie du? U.K.: Das Gitarrenduo mag ich
weder sehr gern hören noch selbst spielen. Ich finde, es ist schwerer, mit
zwei Gitarren gute Musik zu machen, als im Duo mit einem anderen Instrument. agas:
Gibt es jemanden, mit dem du bislang noch nicht gespielt hast, aber sehr gern
mal spielen und/oder aufnehmen würdest? U.K.: Als wir unsere letzte
CD “Made with friends” aufnahmen, traf ich John
Gross zum ersten Mal. Wir spielten zum ersten Mal zusammen, und ich hatte vom
ersten Ton an das Gefühl, wir würden schon immer zusammenspielen. Solche
Erlebnisse wünsche ich mir noch oft. agas:
Was übst du, wie übst du? U.K.: Ich übe jeden Tag, so lange ich Lust dazu verspüre und immer an
Dingen, die ich noch nicht beherrsche. Das Üben sollte eine kreative
Tätigkeit sein, die sich verändert. Es ist natürlich ein Unterschied, ob ich
ein Stück nach Noten einübe oder ob ich übe, um später damit improvisieren zu
können. Das Stück soll am Ende möglichst gut erklingen, während das Üben fürs
spätere Improvisieren eher so etwas ist wie möglichst viele Fähigkeiten
anzuhäufen, um für jeden Fall gerüstet zu sein. Der Improvisator sollte so
viel wie möglich über die musikalischen Bausteine wissen, Tonleitern,
Akkorde, Rhythmen, Taktarten usw. Das alles sollte man schon theoretisch wie
praktisch am Instrument beherrschen und auch hören können. Dieses Material
ist so vielfältig, dass immer etwas zum Dazulernen übrig bleibt. Das
Schwerste ist dann allerdings, dieses ganze theoretische Material beim
Spielen zu vergessen und nur noch dem Weg der Musik in diesem entsprechenden
Moment zu folgen. Man soll ja schließlich nicht seine Werkzeuge präsentieren,
sondern sie benutzen, um etwas zu kreieren, zum Beispiel aus Tonleitern
Melodien bilden, die mehr sind als Tonleitern, obwohl sie weniger Töne haben.
Auch das Spielen, den Ernstfall, sollte man aber üben. Beim Üben kann ich
etwas wiederholen, wieder und wieder; beim Spielen gibt es immer nur eine
Möglichkeit, und das ist wohl das Wichtigste, was jeder Musiker lernen muss:
Beim Spielen gibt es immer nur eine einzige Möglichkeit. Spiele darum immer
mit hundert Prozent Hingabe an diesen einen Moment! Weniger funktioniert
nicht! Geübt wird morgen wieder. |
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© agas |